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Ein Blick in mein Reise-TagebuchWie schnell verblassen doch im Alltag Ereignisse und Erinnerungen. Im digitalen Zeitalter, in dem vieles mit einem Klick erledigt ist, gerä¤t einiges auch schnell wieder in Vergessenheit. Aus diesem Grund habe ich mir dieses kleine Reisetagebuch gebastelt, in dem ich die schönsten Erinnerungen an Reisen, manchmal aber auch nur an besondere Erlebnisse festhalten kann. Schnell ist das Smartphone gezückt und 'zack'! ist der Moment auf dem Handy gespeichert. Als Whatsapp-Nachricht mit Gruß an die Liebsten wäre er jedoch alsbald wieder aus dem Sinn und in den Tiefen der Handy-Bildergalerie verschwunden. Hier kann ich die Highlights des Tages in Wort und Bild hinterlegen. Sicherlich könnte man so manches Bild noch nachbearbeiten und vielleicht auch noch umfangreicher beschreiben. Doch das kann ich später ja immer noch machen, wenn ich wieder vor dem Laptop sitze. Jetzt heißt es erst einmal, viel Spaß beim Durchblättern! Eintrag 604 vom 04.04.2026Marokko ’26 – Tag 17: Agoudal → Bin el Quidane (290 km)
Bild: Marokkanische Männergesellschaft vor einem Café
Karte: die voraussichtliche Strecke mit aktuellem Standort: Der Morgen begann eisig. Gerade einmal zwei Grad zeigte das Thermometer, und auf dem Sattel meiner BMW hatte sich tatsächlich eine feine Eisschicht gebildet – ein Anblick, den man in Marokko nicht unbedingt erwartet. Die Nacht in dieser Höhe hatte ihre Spuren hinterlassen. Auch unsere tschechischen Bekanntschaften kämpften mit der Kälte: Eines ihrer BMW-Leihmotorräder wollte zunächst überhaupt nicht anspringen. Ein kurzer Moment des Wartens, dann röhrte der Motor schließlich doch – und der Tag konnte beginnen. Schon kurz nach dem Aufbruch begegneten wir wieder den ersten Kindern, die uns neugierig entgegenliefen. Die Region wirkte ärmlich, fast vergessen. Viele Häuser bestanden aus einfachem Lehm – traditionelle Bauweise, die sich perfekt an das Klima anpasst: kühl im Sommer, isolierend im Winter. Doch ohne regelmäßige Pflege zerfallen diese Gebäude schnell, und genau das war hier vielerorts zu sehen. Verlassene oder halb eingestürzte Mauern erzählten von Abwanderung und einem harten Leben in dieser abgelegenen Gegend. Bild: Lehmbauten bestimmen hier vielfach das Ortsbild Während wir weiterfuhren, blieben die schneebedeckten Gipfel des Hohen Atlas immer wieder in Sichtweite. Selbst im Frühjahr hält sich hier oben der Schnee hartnäckig, vor allem auf den Nordseiten der Berge. Bild: Diese Region gehört klimatisch zu den rauesten Marokkos – mit kalten Wintern und überraschend niedrigen Temperaturen selbst jetzt noch. Rund um Imilchil wurde die Strecke zunehmend anspruchsvoller. Wir bewegten uns auf unbefestigten Wegen, die eher Vermutungen als echte Straßen waren. Immer wieder stellten wir uns die Frage: Führt dieser Weg wirklich weiter – oder endet er irgendwo im Nichts? Genau diese Unsicherheit macht den Reiz aus, aber auch den Respekt vor der Strecke. Bild: Auch heute sind wir wieder überladenen Strohlastern begegnet. Bild: Die "Straßenbedingungen" waren heute oft nicht die einfachsten... In einem kleinen Bergdorf passierten wir eine Schule. Kaum hatten uns die Kinder entdeckt, wurden wir begeistert umringt. Zwei Lehrer kamen hinzu, freundlich und hilfsbereit. Einer bot sogar an, uns später den richtigen Weg zu zeigen, wenn wir warten würden, bis der Unterricht vorbei sei. Schulen in diesen abgelegenen Regionen sind oft einfache Einrichtungen, aber sie sind ein zentraler Bestandteil des Dorflebens – und für viele Kinder die einzige Chance auf Bildung. Bild: Schulkinder in einem marokkanischen Bergdorf
Bild: Mittags-pause in einem Bergdorf des Hohen Atlas
Zur Mittags-zeit trafen wir erneut auf die beiden franzö-sischen Motorrad-fahrer, die wir letztens als Zimmer-nachbarn neben uns wohnen hatten. Zufällig hielten sie am gleichen kleinen Restau-rant wie wir – ein unschein-barer Ort, der aber genau das bot, was man braucht: einfache, ehrliche Küche. Es gab Spieß-chen mit Salat und Brot – wie so oft. Und wie so oft war es genau richtig. In Marokko sind solche kleinen Dorfgast-stätten wichtige Treffpunkte, nicht nur für Reisende, sondern vor allem für Einheimische. Die Gespräche mit den beiden Franzosen waren herzlich, fast schon vertraut – man teilt die gleichen Erlebnisse, die gleichen Herausforderungen. Gestärkt ging es weiter zum „Grenier Aoujgal“, einem beeindruckenden Beispiel traditioneller Vorratsspeicherung. Sie sind Zeugnisse einer Zeit, in der Gemeinschaft und Vorratshaltung überlebenswichtig waren.
Bild: Blick auf die Grenier Aoujgal
Diese alten Getreide-speicher wurden teilweise in Fels-wände gebaut oder hoch über dem Boden angelegt, um sie vor Diebstahl und Tieren zu schützen. Die Pisten dorthin hatten es in sich: tiefe Furchen, ausgewaschen von den Regenfällen der letzten Tage. Man konnte deutlich sehen, wo das Wasser seinen Weg gesucht hatte. Der Untergrund war tückisch – stellenweise noch feucht, oft tief zerfurcht. Das Fahren im Stehen erwies sich einmal mehr als die beste Technik, um die Kontrolle zu behalten. Je weiter wir nach Westen kamen, desto staubiger wurde es. Eine einsame, fast archaische Landschaft. Hin und wieder begegneten wir Menschen – Männer mit Eseln, beladen mit Brennholz, oder Frauen, die schwere Lasten auf dem Rücken trugen. Ein Leben, das von harter körperlicher Arbeit geprägt ist. Kleinere Flussdurchfahrten verlangten uns und den Motorrädern noch einmal einiges ab. Diese saisonalen Wasserläufe entstehen oft durch Schneeschmelze oder Regen und können innerhalb kurzer Zeit anschwellen. Heute waren sie zum Glück gut passierbar – aber man spürt, wie schnell sich die Bedingungen hier ändern können. Am Abend, es war Samstag, saßen viele Männer vor kleinen Cafés, tranken Tee und beobachteten uns neugierig. Kaffee? Fehlanzeige. In diesen Regionen ist Minztee das Maß aller Dinge – mehr als ein Getränk, eher ein Ritual der Gastfreundschaft. Die Zeit war uns inzwischen davongelaufen. Die vielen Pistenkilometer hatten uns deutlich langsamer gemacht als geplant. Wir mussten uns beeilen, um noch im Hellen anzukommen. Tanken stand auch noch auf der Liste – immer ein kleines Abenteuer in abgelegenen Gegenden. Als wir schließlich am Bin el Ouidane ankamen, war es bereits dunkel. Doch damit nicht genug: Unser Hotel war nicht auffindbar. Google Maps half nicht weiter, und ein Anruf brachte die nächste Ernüchterung – ausgebucht. Trotz Reservierung. Was nun? Wir fuhren hinunter zum See, in der Hoffnung, irgendwo noch unterzukommen. Und tatsächlich: Im Chems du Lac Bin el Quidane hatten wir Glück. Ein letztes Zimmer war noch frei. Offenbar war an diesem Wochenende ungewöhnlich viel los – vermutlich wegen der Osterzeit. Allerdings feiern Muslime selbst kein Ostern; der hohe Andrang kommt eher durch Reisende und marokkanische Familien, die solche freien Tage für Ausflüge nutzen. Nach zwei Wochen in Marokko dann eine kleine Überraschung: ein Bier am Abend. Fast schon ein Luxusmoment nach diesem langen, anstrengenden Tag. Müde, staubig und voller Eindrücke ließen wir den Tag ausklingen – irgendwo zwischen Erschöpfung und tiefer Zufriedenheit.
Bereits freigeschaltete Kommentare:
Wolfi
Ja war etwas erdig und schotterig gestern. Eher nix zum Fahren mit Sozia. Das schaffen nur zwei Kerle wie wir 😉
Steffi
Nach dieser abenteuerlichen Etappe habt ihr euch das Bierchen aber echt verdient🍻. Gut dass ihr erfahrene Motorradfahrer seid. Ich Angsthase🐰hätte das hintendrauf nicht mitgemacht😜.
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