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Ein Blick in mein Reise-TagebuchWie schnell verblassen doch im Alltag Ereignisse und Erinnerungen. Im digitalen Zeitalter, in dem vieles mit einem Klick erledigt ist, gerä¤t einiges auch schnell wieder in Vergessenheit. Aus diesem Grund habe ich mir dieses kleine Reisetagebuch gebastelt, in dem ich die schönsten Erinnerungen an Reisen, manchmal aber auch nur an besondere Erlebnisse festhalten kann. Schnell ist das Smartphone gezückt und 'zack'! ist der Moment auf dem Handy gespeichert. Als Whatsapp-Nachricht mit Gruß an die Liebsten wäre er jedoch alsbald wieder aus dem Sinn und in den Tiefen der Handy-Bildergalerie verschwunden. Hier kann ich die Highlights des Tages in Wort und Bild hinterlegen. Sicherlich könnte man so manches Bild noch nachbearbeiten und vielleicht auch noch umfangreicher beschreiben. Doch das kann ich später ja immer noch machen, wenn ich wieder vor dem Laptop sitze. Jetzt heißt es erst einmal, viel Spaß beim Durchblättern! Eintrag 623 vom 23.-25.04.2026Der Abschied von Marokko
Bild: Die GNV-Fähre wartet auf seine Passagiere. Karte: Unser Streckenverlauf in Marokko
Die Rückreise begann lange vor Sonnenaufgang. Um Punkt fünf Uhr klingelte der Wecker. Es dauerte nicht lange, bis alles wieder verstaut war. Unten, im Halbdunkel, warteten tatsächlich die versprochenen Frühstückstüten neben dem gerade aufwachenden Nachtwächter, der sich quer über das Sofa gelegt hatte. Jeder von uns griff sich seine Tüte, randvoll mit kleinen Aluschalen: Belegte Brote, Gebäck, Streichkäse, Butter, Marmelade. Bananen – mehr als genug, um uns über den Tag zu bringen. Wir mussten beide schmunzeln. Verhungern würden wir heute sicher nicht. Um halb sechs brummten die Motoren. Die Autobahn lag direkt vor uns, und die etwa 30 Kilometer bis zum Hafen von Tanger Med waren schnell heruntergespult. Die Straßen waren um diese Uhrzeit noch angenehm leer, fast schon friedlich. Etwa zehn Kilometer vor dem Ziel dann die letzte kleine Episode marokkanischer Bürokratie: die Mautstation. Genau 12 Dirham kostete der Abschnitt – und damit verschwand der letzte Rest Bargeld aus meinem Portemonnaie. Besser hätte man es kaum timen können. Gegen sieben Uhr standen wir im Hafen. Wir waren nicht die Ersten, aber auch längst nicht die Letzten. Hinter uns füllte sich der Platz zusehends mit Fahrzeugen aller Art. Die Fähre sollte eigentlich um 13:15 Uhr ablegen, letzter Check-in um 9:15 Uhr – genug Zeit also. Die Bordkarten waren schnell organisiert, doch dann begann das, was man in Marokko inzwischen fast schon gewohnt war: Wiederholte Kontrollen, ein fahrbares Röntgengerät, das die Fahrzeuge durchleuchtete, Spürhunde, die sich durch Gepäck und Koffer schnupperten. Alles gründlich, alles routiniert.
Bild: das fahrbare Röntgengerät im Hafen von TangerMed Irgendwann standen wir schließlich an der Ablegestelle. Und wie so oft begann das Warten – aber diesmal war es anders. Fast schon wie ein kleines Dorf auf Zeit. Schnell kamen wir mit anderen Reisenden ins Gespräch. Motorradfahrer, Wohnmobilisten, Abenteurer.
Bild: Besonders ins Auge fielen uns einige Fahrer mit Ural-Gespannen – mutig, mit diesen, wartungsintensiven Maschinen durch Marokko zu reisen. Respekt!
Bild: Es wurde erzählt, gelacht, gefachsimpelt. Diese spontanen Begegnungen sind es, die eine Reise oft erst wirklich lebendig machen. Gegen Mittag durften wir endlich aufs Schiff. Doch selbst dann zog sich alles weiter in die Länge. Fahrzeug um Fahrzeug rollte in den Bauch der Fähre, und schnell wurde klar: Der Zeitplan war eher eine grobe Orientierung als ein Versprechen. Die Abfahrt verzögerte sich um mehr als eine Stunde. „Das holt der schon wieder rein“, dachten wir noch. Ein Irrtum, wie sich später zeigen sollte.
Bild: Das Beladen war noch lange nicht vorbei, als wir bereits oben an Bord standen.
Bild: Wir waren nicht die einzigen Motorradfahrer an Bord. Ein letzter Blick zurück auf Marokko – die Hafenanlagen, das geschäftige Treiben, das langsam kleiner wurde. Und dann: nichts als Wasser. Und Zeit. Diesmal hatten wir uns ein kleines Upgrade gegönnt – eine Kabine mit Fenster. Ein Luxus, der sich schnell als gute Entscheidung erwies. Denn die folgenden Tage bestanden vor allem aus… Warten. Ein Bordprogramm gab es praktisch nicht. Die wenigen Cafés und Shops waren schnell erkundet, das Angebot überschaubar. Im vorderen Bereich des Schiffs hatte sich eine Art improvisiertes Lager gebildet. Viele marokkanische Mitreisende hatten sich mit Decken, Taschen und sogar kleinen Kochern eingerichtet. Es roch nach Gewürzen, nach Essen, nach Leben – aber auch ziemlich intensiv. Im Pullman-Salon ein ähnliches Bild: Menschen auf Sesseln, auf dem Boden, überall Gepäck. Gemütlich war anders. Das Self-Service-Restaurant hatte nur eingeschränkte Öffnungszeiten und war für uns eher eine Notlösung nur zur Frühstückszeit. Ein Kaffee, ein Croissant, ein Saft – zu Preisen, die eher an Flughäfen erinnerten. Für den ersten Tag hatten wir ja unsere Überlebenstüten, doch am zweiten Abend enwollten wir ins Bordrestaurant à la carte essen. Die Zeit zog sich. Am zweiten Tag machte sich Langeweile breit. Die Motorradzeitung konnte mich nicht fesseln, und selbst der Laptop blieb zu. Wir sollten ja bald ankommen – zumindest dachten wir das. Ein kurzer Blick auf Google Maps ließ uns dann doch stutzen. Das Schiff war deutlich langsamer unterwegs als erwartet. „Der holt das schon noch auf“, sagten wir uns. Wieder so ein Satz, der sich später als Wunschdenken entpuppen sollte. Am letzten Tag kam dann die Ernüchterung: etwa zwei Stunden Verspätung schnarrte es aus den Lautsprechern. Am Ende wurden daraus ganze sechs.
Bild: ungeduldiges Warten auf das Öffnen der Fahrzeug-Decks
Bild: Statt am frühen Nachmittag liefen wir erst gegen 19 Uhr in Genua ein. Gut, dass ich bis dahin noch kein Hotel gebucht hatte. Kaum von Bord, ging alles plötzlich ganz schnell. Nach Tagen des Wartens nun Hektik. Und dann kam der Moment, den man auf solchen Reisen nie wirklich plant: der Abschied. Nach fünf Wochen trennten sich hier unsere Wege. Wolfgang und ich standen noch einen Moment zusammen, irgendwo zwischen Hafenlärm und Abendlicht. Ein letzter Händedruck, eine Umarmung. Viel erlebt, viel gesehen – und irgendwie auch viel gemeinsam durchgestanden. Eine schöne und interessante gemeinsame Zeit lag nun hinter uns. Dann ging jeder seiner Wege. Mein Ziel für diesen Abend lag noch vor mir: etwa 130 Kilometer bis Mailand. Ein kleines Einzelzimmer am Stadtrand wartete bereits. Und während ich später durch die italienische Nacht fuhr, wurde langsam klar: Die Reise ging auf ihr Ende zu. Morgen noch eine letzte Runde über einige schöne schweizerische Passstraßen - vielleicht schaffe ich es ja bis Süddeutschland.
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