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Ein Blick in mein Reise-TagebuchWie schnell verblassen doch im Alltag Ereignisse und Erinnerungen. Im digitalen Zeitalter, in dem vieles mit einem Klick erledigt ist, gerä¤t einiges auch schnell wieder in Vergessenheit. Aus diesem Grund habe ich mir dieses kleine Reisetagebuch gebastelt, in dem ich die schönsten Erinnerungen an Reisen, manchmal aber auch nur an besondere Erlebnisse festhalten kann. Schnell ist das Smartphone gezückt und 'zack'! ist der Moment auf dem Handy gespeichert. Als Whatsapp-Nachricht mit Gruß an die Liebsten wäre er jedoch alsbald wieder aus dem Sinn und in den Tiefen der Handy-Bildergalerie verschwunden. Hier kann ich die Highlights des Tages in Wort und Bild hinterlegen. Sicherlich könnte man so manches Bild noch nachbearbeiten und vielleicht auch noch umfangreicher beschreiben. Doch das kann ich später ja immer noch machen, wenn ich wieder vor dem Laptop sitze. Jetzt heißt es erst einmal, viel Spaß beim Durchblättern! Eintrag 616 vom 16.04.2026Marokko ’26 – Tag 29: Amizmiz → Essaouira (206 km)
Bild: in der Medina von Essaouira, Kräuter gegen alle menschlichen Leiden
Karte: die voraussichtliche Strecke mit aktuellem Standort:
Bild: Heute morgen haben wir am Pool gefrühstückt. Der Morgen beginnt noch im Schutz des Hohen Atlas, dessen gewaltige Bergzüge uns auf den ersten Kilometern immer wieder begleiten – mal direkt vor uns wie eine graublaue Wand am Horizont, mal seitlich versetzt, als würden sie uns still beobachten. Dieses Gebirge, ein Ergebnis uralter tektonischer Kräfte, zieht sich wie ein Rückgrat durch Marokko und trennt klimatisch und landschaftlich zwei Welten: das eher fruchtbare, gemäßigte Norden und den trockeneren Süden. Auf unserer Route spürt man diesen Übergang besonders intensiv – als würde man langsam aus der Gebirgswelt hinausgleiten. Zunächst führen viele lange, gerade Straßen durch eine karge, fast spröde Landschaft. Die Luft ist trocken, leicht diesig, Staub hängt wie ein feiner Schleier über allem. Mit zunehmender Strecke steigt die Temperatur spürbar an, bis sie schließlich stellenweise 34 Grad erreicht – eine Wärme, die sich auf dem Motorrad ganz unmittelbar anfühlt, vor allem wenn der Fahrtwind plötzlich nachlässt.
Bild: Kaffee-Pause in M 'Zouda Immer wieder begegnen wir auf dem Weg Kindern, die zu Fuß oder in kleinen Gruppen am Straßenrand unterwegs sind – auf dem Weg zur Schule. Oft tragen sie einfache Rucksäcke, manchmal auch nur Hefte unterm Arm. In vielen ländlichen Regionen Marokkos sind Schulwege von mehreren Kilometern keine Seltenheit. Trotz der einfachen Verhältnisse wirkt vieles erstaunlich organisiert – ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert Bildung mittlerweile auch in abgelegenen Gegenden hat. Bild: Kinder auf dem Weg zur Schule Sobald wir durch größere Orte fahren, ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Die Straßen werden enger, lebendiger – und chaotischer. Menschen, Mopeds, Eselkarren, Fahrräder und Autos teilen sich den Raum ohne erkennbare Ordnung, und doch funktioniert alles irgendwie. Händler bieten Obst, Brot oder Ersatzteile an, Kinder spielen zwischen den Fahrzeugen, und irgendwo mittendrin versucht man selbst, den Überblick zu behalten. Es ist dieses scheinbar ungeordnete Miteinander, das aber eine ganz eigene Logik besitzt. Bild: Nach einiger Zeit verändert sich die Landschaft deutlich. Die zuvor eher erdigen, gedämpften Farben weichen plötzlich intensiveren Tönen – vor allem ein leuchtendes Gelb fällt ins Auge. Es handelt sich dabei meist um wilde Senfarten, die in dieser Jahreszeit weite Flächen überziehen. Dieses Gelb wirkt fast surreal vor dem staubigen Hintergrund und bringt eine unerwartete Lebendigkeit in die Szenerie. Kurz nach dem Mittag stoßen wir auf ein verlassenes Ksar – ein befestigtes Dorf, dessen Mauern heute nur noch als bröckelnde Silhouetten in der Landschaft stehen. Solche Anlagen stammen häufig aus dem 18. oder 19. Jahrhundert, manche sogar aus noch früherer Zeit. Sie dienten nicht nur als Wohnort, sondern auch als Schutz vor Überfällen und als gemeinschaftlicher Lagerplatz.
Bild: einer der letzten Bewohner des Ksars?
Bild: Schafe in einem verlas-senen Ksar
Die dicken Lehm-wände, durch-zogen von Auswa-schungen und Rissen, erzählen von Jahr-zehnten – oder Jahrhunderten – der Erosion durch Wind und seltene, aber heftige Regenfälle. Große Bögen und Öffnungen lassen vermuten, dass es sich um mehr als einfache Häuser gehandelt hat – vielleicht ein größerer Komplex oder sogar ein Agadir, also eine Speicher-burg. Das Minarett im Hintergrund bestätigt: Hier wurde einst gelebt, gebetet, gearbeitet – ein ganzes Dorf, heute verlassen. Die Straße fordert uns immer wieder. Abschnittsweise liegt viel loser Splitt auf dem Asphalt, was erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. Bild: Dann wieder führt der Weg durch eine flache Wasserdurchfahrt – harmlos wirkend, aber ein Hinweis darauf, wie sich diese Landschaft bei Regen verändert. Auf einigen Brücken liegt noch Schwemmgut – Äste, Erde, Geröll. Es sind stille Zeugen der Frühjahrsfluten, wenn trockene Flussbetten (Wadis) sich innerhalb kürzester Zeit in reißende Ströme verwandeln. Diese sogenannten Sturzfluten entstehen oft weit entfernt in den Bergen und treffen dann überraschend und mit enormer Kraft ein. Je näher wir der Küste kommen, desto mehr verändert sich die Luft. Sie wird frischer, feuchter – und irgendwann liegt ein Hauch von Salz darin. Am frühen Nachmittag erreichen wir schließlich Essaouira. Die Stadt wirkt sofort anders als das Landesinnere: heller, luftiger, durchzogen vom stetigen Wind des Atlantiks. Essaouira, früher Mogador genannt, ist bekannt für seine gut erhaltene Medina, die sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die weiß getünchten Häuser mit ihren blauen Türen und Fensterläden geben der Stadt ihren unverwechselbaren Charakter. Mit den Motorrädern kommen wir nicht bis zu unserem Hotel – die engen Gassen der Medina sind für Fahrzeuge tabu. Also stellen wir die Bikes auf einem bewachten Parkplatz außerhalb ab – natürlich gegen Gebühr.
Bild: Unser Gepäck wird auf einen kleinen Handwagen verladen, und zwei Männer übernehmen den Transport durch das Gewirr der Gassen bis zu unserem Hotel Dar Cherazade % spa direkt an der Küste.
Bild: Am Abend ziehen wir noch einmal los. Die Medina pulsiert – Händler, Musik, Stimmengewirr, der Geruch von gegrilltem Fisch und Gewürzen liegt in der Luft. Essaouira ist lebendig, aber gleichzeitig entspannter als viele andere marokkanische Städte. Der Atlantik rauscht unaufhörlich gegen die alten Stadtmauern, Möwen kreisen über dem Hafen.
Bild: Auffällig sind die vielen Katzen, die überall zu sehen sind
– auf Mauern, in Gassen, vor Geschäf-ten. In Marokko gehören sie ganz selbstverständlich zum Stadtbild. Sie werden oft geduldet oder sogar gefüttert, denn traditionell gelten sie im Islam als reinliche Tiere. Gleichzeitig erfüllen sie einen ganz praktischen Zweck: Sie halten die Population von Ratten und Mäusen in Schach – besonders wichtig in dicht bebauten Altstädten.
Bild: Sonnenuntergang an der Küste vor Essaouira So endet ein Tag, der uns wieder einmal gezeigt hat, wie schnell sich hier Landschaften, Eindrücke und Stimmungen verändern können – vom rauen Atlas über staubige Ebenen bis hin zur frischen Brise des Atlantiks. Ein Tag voller Kontraste, Begegnungen und Bilder, die lange im Kopf bleiben. Morgen wollen wir uns Essaouira noch ein bisschen genauer anschauen und haben deshalb zwei Nächte im Dar Cherazade % spa gebucht.
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